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Georg
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Anmeldedatum: 09.05.2003
Beiträge: 37

BeitragVerfasst am: Mo 03.11.2003, 22:02 Back to top

Daß Reformen nicht unbedingt Besserungen bedeuten, sondern vielfach Verschlechterunden kaschieren sollen, demonstrieren die Herrschenden täglich.
Was steckte hinter der "Rechtschreibreform"?
Nichts anderes als eine beabsichtigte Senkung der Fehler.
Wie erreicht man das am besten? Schlicht und einfach durch Sanktion der verbreitetsten Fehler.

Das verhält sich ähnlich wir mit dem Waldschadensbericht, wo die unterste Stufe der Schädigung einfach aus der Statistik gekippt wurde. Plötzlich war der Wald viel gesünder.
Mit derselben Logik ließe sich auch die Kriminalstatistik bereinigen, wenn man z.B. den Ladendiebstahl herausnähme und zu Ordnungswidrigkeit erklärte. Das ist Kapitulation, Aufgabe der Normen, Anerkennung des bislang "Falschen". weil das Richtige nicht durchsetzbar erscheint.

Herbert hat sich mit seiner Pommesbude und Apostroph - "Herbert´s Snackbar" durchgesetzt.
Eine andere Möglichkeit wäre es gewesen, Herbert bei jedem falschen Apostrophen auf der Schule eine um die Löffel zu hauen.
Nun geht´s aber weiter: die Meier´s, die Kino´s, die Auto´s usw. Alles schon gesehen.
Wann wird die Kraft des Faktischen uns auch da wieder einholen und eine Revision der Regeln erzwingen?

Natürlich hat niemand die "alte" Rechtschreibung beherrscht, warum z.B. "auf deutsch" kleingeschrieben werden sollte, wenn "Deutsch" doch die Sprache, also ein Hauptwort ist, haben wir nie so richtig eingesehen und uns daher machmal frech darüber hiweggesetzt.

Was die neue Rechtschreibung betrifft, so halten wir sie für eine Zumutung. Nie werden wir uns mit jemandem "auseinander setzen", um uns tatsächlich "zusammenzusetzen" und Dinge zu bereinigen.
Warum sollen wir uns einst auch Fünfen eingefangen haben, um das schmerzlich Angeeignete nun über Bord zu kippen?

Wie auch immer: die schlimmste Folge ist, daß keine Verbindlichkeit mehr existiert. Jeder macht, was er will, handelt nach Gutdünken.
Ein überall herumgeisternder Irrglaube ist der, daß das "ß" abgeschafft sei, so daß nun jeder Esel "Straße" mit Doppel-s schreibt, auch Behörden. Man schaue sich mal neuere Straßenschilder an. Das "ß" ist aber beileibe nicht weg, sondern bleibt nach langem Selbstlaut erhalten.

Überall im Leben ist es sinnvoll, wenn immer wichtige Unterschiede bestehen, diese auch optisch (oder wie auch immer) zu betonen. Grün heißt "gehen", Rot "anhalten". Nie verfiele jemand auf den Gedanken, nahe beieinanderliegende Farben wie Rosa und Rot oder Lila zu wählen oder eine Zeitung auf dunkelbrauem Papier zu drucken.
Will man eine Telefonnummer für alle deutlich schreiben, so tut man das beispielsweise so:
0761 700 350 und nie wie folgt:
0761/700 350
denn der Schrägstrich ist offensichtlich zu leicht mit der 1 oder 7 verwechselbar.
Nur Trottel, Gedankenlose oder Sadisten, die ihre Leser quälen wollten, täten das. Die Tatsache, daß dies allerenthalben zu sehen ist, macht es nicht sinnvoller.
Demzufolge ist es auch nur logisch, "daß" als Konjunktion mit "ß" zu schreiben. Der Unterschied ist so einfach augenfälliger und bewußter. "ss" und "s" liegen viel eher beieinander, die Unterschiede werden verwischt, das Gegenteil des Beabsichtigten, nämlich eine Senkung der Fehler, ist der Fall.
Allerdings verhält es sich nun auch so, daß alle, die die Konjuktion nicht vom Relativpronomen unterscheiden konnten, auch mit dem "ss" nichts anfangen können.

Wie stolz trompeteten drei Autoren mit ihrer Neuauflage eines Titels in "neuer" Rechtschreibung daher, auf die sie wie die Teufel beharrt hatten. Eine Probe per Suche nach "dass" im Manuskript ergab nicht einen Treffer! Keinen einzigen! Das ist lächerlich und grotesk. Guckt man heute auf ihre Homepage, so ist immer noch ein Wirwarr feststellbar.

Faktisch bildet sich eine Zweiklassenrechtschreibung heraus. Wer´s einigermaßen kann, schreibt "alt". Die meisten Verlage haben eine "modifizierte" Rechtschreibung eingeführt, eine "hausinterne", die natürlich überall unterschiedlich ausfällt, weil die Autoren den neuen Müll nicht mitmachen.
Den meisten ist es egal. Es ist ja sowieso alles egal.


Zuletzt bearbeitet von Georg am Do 07.09.2006, 08:25, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Capella
Gast





BeitragVerfasst am: Mi 04.08.2004, 10:59 Back to top

Hi,

also, ich sehe das ein bisschen anders. Ich halte mich als jemand, der Abitur hat und studiert hat und außerdem seit vielen Jahren aktiv schreibt, schon für jemanden, der es "kann".

Ich bin 33 Jahre alt, habe in der Schule also noch komplett die alte Rechtschreibung gelernt. Trotzdem finde ich die Neuregelung in vielen (aber nicht in allen Fällen) einfach logischer. Mein Hauptkritikpunkt an der Rechtschreibreform ist, dass sie einfach nicht weit genug gegangen ist. Vor allem die Unterscheidung zwischen Gebrauchs- und Bildungswortschatz ging mir ziemlich gegen den Strich. Ich wünsche mir eine phonologisch orientierte Schreibung, die würde viele Dinge, gerade für Legastheniker und andere Rechtschreibgeschwächte, nämlich wirklich vereinfachen.

Viele von dir genannte Beispiele wie "die Auto's" sind und bleiben auch nach neuer Rechtschreibung falsch, ebenso wie "Strasse". (Obwohl uns die Schweiz auch durchaus seit 100 Jahren vorlebt, dass man ganz gut ohne ß auskommen kann). Da finde ich deine Argumentation nicht nachvollziehbar.

Tatsächlich ändert sich unsere Schreibkultur gerade, vor allem durch das Internet, rapide. Aber das hat nichts mit der Rechtschreibreform zu tun. Es werden einfach viel mehr unlektorierte und unkorrigierte Texte öffentlich als vor 10 Jahren, erst recht mehr als vor 50 Jahren. Wahrscheinlich auch mehr Texte von Leuten, die es tatsächlich nicht "können". Das ist ein Trend, den wir nicht aufhalten können. Sprache ändert sich. Ich fände es auch demokratisch höchst bedenklich, Leuten den Mund zu verbieten, weil sie keine Kommasetzung beherrschen oder Rechtschreibfehler machen.

Das ist ein kultureller Umbruch, mit dem wir wohl einfach leben müssen. Ähnlich wie die Erfindung des Buchdrucks zu einer Vereinheitlichung und Regelmentierung der Schriftsprache geführt hat (davor war so etwas wie "Rechtschreibung" non-existent und die Schreibweise allein dem Autor überlassen), führt das neue Medium Internet jetzt zu einer Durchweichung dieser Regeln. Sprach- und kulturwissenschaftlich ein überaus spannendes Phänomen, aber nicht, wie oft beschworen, der Untergang der abendländischen Kultur  Wink

Die Rechtschreibreform hat damit nur am Rande zu tun. Erst dadurch dass immer mehr Menschen mehr oder weniger öffentlich schreiben, fällt nämlich auf, wie viele es tatsächlich nicht können. Und dann ist es nur recht und billig mal darüber nachzudenken, dass unsere Schriftsprache sich vielleicht einfach in vielen Punkten überholt hat und zu träge und kompliziert ist.

lg,
Capella
Vision



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Beiträge: 201

BeitragVerfasst am: Fr 17.09.2004, 09:14 Back to top

Also wenn ich ganz ehrlich bin finde ich es schon lustig das man heute schon wieder die neue Rechtschreibung abschaffen will. Ich habe auch noch die alte Rechtschreibung gelernt, auch wenn ich nicht behaupten würde das ich sonderlich gut mit ihr kann. Aber ich finde das die Neue Rechtschreibung einige Wörter noch mehr deformiert hat.

Mir Persönlich ist die deutsche Sprache so oder so zu hart um wirklich schöne Texte damit zu verfassen. Natürlich mag ich nicht behaupten das es nicht möglich ist auch schöne und sinnliche Texte zu verfassen, das haben wir schließlich schon alle mal hier oder da gesehen, aber ich finde auch das die deutsche Sprache recht Hart und teilweise vulgär ist. Durch die neue Rechtschreibung, zumindest in meinen Augen, ist das ganze noch etwas Schlimmer geworden da einfach einige Worte noch deformierter wurden.

Ich würde befürworten wenn sie nun wirklich hingehen und beide Rechtschreibungen einführen, das würde es zumindest Leuten wie mir, die mit Gramatik extrem auf dem Kriegsfuß stehen, naja meine Spezialität waren schon immer eher Aufsätze als Diktate Wink , auch weniger Fehler zu Produzieren. Da ich leider jedoch aus der Schule raus bin (und vermissen wir sie nicht alle irgendwie?) ist es für mich auch kein beinbruch wenn man wirklich wieder die Neue Rechtschreibung abschaffen würde. Ich Produziere meine Fehler auch in der Alten.

Soweit mal meine Meinung zu dem Thema.

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Lene



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Beiträge: 900

BeitragVerfasst am: Mo 08.11.2004, 14:53 Back to top

Wir, die noch vor der rechtschreibreform den schulabschluss gemacht haben, sind somit postreform, spätreformiert Wink

mein cousin ist in der 10. und muss sein abitur in der NDR machen. damit hat er kein problem, er hat es ja nu gelernt.

volksverwirrung ist ein umstand den eine reform mit sich bringt.

und uns (hobby)schriftsteller tangiert das in der hinsicht, als dass wir unsere texte gerne selbst auf fehler lektorieren und uns bei einigen sachen nicht mehr ganz sicher sind - aber im ernst: war das vorher nicht auch so?
im zweifelsfalle gibt es für uns ja zwei hand voll NDR-Duden, als Software oder im Buchformat. und unser gutes altes microsoft word macht uns ja auch immer aufmerksam.  :Smile

in diesem sinne, no lo tomés en serio!

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