Autoren Börse :: Deutsch als Wissenschaftssprache untauglich?

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Georg
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Anmeldedatum: 09.05.2003
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BeitragVerfasst am: Do 21.10.2004, 20:55 Back to top

Trendwende beim Fremdspracherwerb vonnöten - Ist das Deutsche ein Verlierer der Globalisierung?
Professor Maurice Godé, Germanist von internationalem Rang an der Universität Paul Valéry - Montpellier III. und seit 1999 Präsident der Section d'Etudes germaniques et scandinaves du Conseil National des Universités, berät auch das Wissenschaftsministerium seines Landes. Anläßlich der Universitätstage Heidelberg - Montpellier nutzte Godé die Gelegenheit, um sich bei der Auftaktveranstaltung in der Neuen Universität grundsätzlich mit der Frage auseinander zu setzen, welchen Stellenwert die deutsche Sprache heute noch an französischen Universitäten besitzt - und wie es sich umgekehrt verhält.

Vorab ging Godé auf das grundsätzliche Problem ein, mit dem sich das Deutsche in den letzten Jahrzehnten weltweit konfrontiert sieht: ein gravierender Imageverlust!
Vor dem Ersten Weltkrieg war nicht nur Amerika in hohem Maße germanophil. Auch in Japan, in England und im russischen Zarenreich genoß Deutsch als Kultur- und Wissenschaftssprache hohes Ansehen, was mit dem Ende des Kaiserreiches jedoch ins Wanken geriet. Mit der Machtergreifung dann, kam auch für die deutsche Sprache die Katastrophe:
"Die Nazi-Diktatur und der von Hitler-Deutschland entfesselte Zweite Weltkrieg brachten die Stellung des Deutschen zusätzlich in arge Not. Zwölf Jahr lang hatte es ja Europa vorwiegend mit Deutschlands Richtern und Henkern zu tun; hinzukam, dass viele Dichter, Denker und Wissenschaftler ausgewandert waren, die - zumindest für einen guten Teil der letzteren gilt dies - die Sprache und Nationalität des Gastlandes, an allererster Stelle der USA, angenommen haben."

In der Nachkriegszeit wurde Deutsch in internationalen Gremien nicht als Amtssprache anerkannt. In den Vereinten Nationen genießt Deutsch lediglich den Halbstatus einer Dokumentensprache und ist trotz der Bevölkerungsstärke und Wirtschaftskraft Deutschlands keine offizielle Arbeitssprache. Auch in der Europäischen Union sind heute lediglich Englisch und Französisch Arbeitssprachen - gerade vor dem Hintergrund der anstehenden Osterweiterung eine Situation, die sich keineswegs an den Gegebenheiten orientiert.

Mustergültig entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten die deutsch-französische Freundschaft. Verheilt sind die Wunden, welche jahrhundertlange kriegerische Auseinandersetzungen beiden Nachbarstaaten schlugen. Nicht zuletzt durch den von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle unterzeichneten Freundschaftsvertrag wuchs das Interesse an der Kultur und der Sprache des jeweils anderen Landes. Doch diese Entwicklung hat sich dramatisch verändert. "Die Situation des Deutschen hat sich in den letzten zehn Jahren so verschlechtert, dass ein Kollege von mir, Michel Espagne, jüngst in Le Monde geschrieben hat, wenn es so weitergehe, würde Deutschland den Franzosen genau so gut oder schlecht bekannt sein wie die Innere Mongolei!", so Godé.

Umgekehrt verhalte es sich nicht wesentlich anders, was die Situation des Französischen in Deutschland angehe. Gerade einmal 11 Prozent aller französischen Schüler lernen heute noch deutsch, vor 30 Jahren belegten 20 Prozent Deutsch als erste und 50 Prozent als zweite Fremdsprache. Angesichts dieser Zahlen sei es nicht verwunderlich, daß das Fach Germanistik immer weniger Studierende anziehe. Auch die Sprachkenntnisse der Erstsemester würden signifikant schlechter.

Dringend gemahnte Godé gerade in Hinsicht auf die große Reform der Europäischen Universitäten, den gründlichen Fremdspracherwerb nicht unter den Tisch fallen zu lassen. Wenn alle Studiengänge in der EU ab 2009 nach einem vergleichbaren Muster aufgebaut würden, so drohe die Gefahr einer pragmatischen Sprachverarmung und damit einer noch stärkeren Dominanz des Englischen. Für die Naturwissenschaften sei dies per se kein über Gebühr problematischer Prozess. "Es sieht aber ganz anders aus bei den Geisteswissenschaften, bei denen man die jeweilige Sprache nicht für ein neutrales gleich-gültiges Medium halten darf", betonte Godé. "Die Kenntnis der jeweiligen Landessprache ist eine Grundvoraussetzung für ein sinnvolles Studium in den Geisteswissenschaften." Godés Plädoyer für eine lebendige Sprachenvielfalt mahnte daran, in Zukunft vor allem von politischer Seite wieder wesentlich mehr dafür zu tun, daß Deutsch und Französisch bereits von Schülern erlernt werden.
Soweit der Bericht.

Na ja, da erinnern wir daran, daß Frankreich sich nicht besonders hervorgetan hat, um das Deutsche zu fördern. Im Gegenteil, Unterdrückung war angesagt. Zwar ist das Deutsche eine der Sprachen in Frankreich, aber es besitzt keinen Status als Amtssprache, ähnlich wie die die Langue d´Oc im Süden, das Provenzalische, Italienische (die Ecke um Nizza, Teil der Alpen, Korsika), das Katalanische (Hauptstadt Nordkataloniens ist Perpyna, Perpignan), das Baskische, das Bretonische und das Flämische.
Erinnert sei daran, daß Frankreich nicht die Konvention zum Schutz der Mindersprachen unterzeichnet hat, daß die Pfaffen in Frankreich nach 1945 die Messe nicht mehr auf deutsch halten wollten (was komisch ist, denn ihre Kollegen, Mitglieder desselben Vereins, hielten doch, als Hitlers Bomben auf Warschau fielen, Dank- und Fürbittegottesdienste für die Wehrmachtssoldaten ab), ferner, daß Anzeigen, ja sogar Todesanzeigen auf deutsch verboten waren. Zudem bekamen die Generationen, die bis so vielleicht vor 20 Jahren im Elsaß oder in Lothringen die Schule besuchten, einen "guignol", einen Hampelmann, um den Hals gehängt, wenn ihnen ein Wort auf deutsch ("deutsch" durfte es natürlich auch nicht heißen, sondern "Dialekt") herausrutschte.  
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